Das Leben annehmen

Unser geliebter Bosti hat uns nun seit 6 Wochen verlassen. Ich hatte mir so sehnlichst gewünscht, dass er uns noch hätte eine Zeit lang begleiten können. Leider war dies nicht möglich. Ich habe viel über das Loslassen und den Sterbeprozess hier geschrieben und auch immer wieder liebe Kunde in diesem Prozess begleitet und unterstützt. In diesem letzten Schritt hat mir Bosti nochmals eine sehr wertvolle Lektion vermittelt. Irgendwie sollte dieser Hund bis zu seinem letzten Atemzug und noch darüber hinaus ein wirklich weiser Lehrer sein und bleiben. Nach 6 Wochen ist es mir noch nicht wirklich möglich über ihn und sein Sterben zu sprechen ohne so von Trauer überwältigt zu werden, dass mir die Tränen die Stimme erdrücken. Auch jetzt wo ich schreibe fließen die Tränen. Ich habe in dem Prozess vieles nicht klar erkennen können, vermutlich wollte ich nicht sehen und wahrhaben, dass unser geliebter Hund wohl nicht 15 Jahre werden sollte. Durch die Tierkommunikation hatte ich in den 6 schlimmen Wochen vor seinem Tod immer guten Kontakt mit ihm und wusste dass er noch Lebenswille hatte, keine Schmerzen und gar nicht dran dachte zu gehen. Dies hat uns geholfen uns immer wieder einer empfohlenen Euthanasie entgegegen zu setzen. Dies bescherte uns allen als Familie dann noch wirklich tolle 4 Wochen, in denen es Bosti später so gut ging wie lange nicht - niemand konnte dies glauben- für die Klinik war er ein “Wunder”, sie hatten ihn bereits neurologisch als tot erklärt. Er konnte sogar wieder hören! Wir haben in den Wochen alles- wirklich alles - noch einmal erleben dürfen: das Baden im Matsch, das Verbuddeln eines SuperKnochens, unser abendliches Querfeldeinmaschieren und Sitzen im Sonnenuntergang, ein großer Rudelspaziergang, ….. Er hat mir zum Schluss noch dabei geholfen unserer 2ten Hündin Schnitzi, die duschen hasst, dieses schmackhaft zu machen, als hätte er gewusst, dass er nicht mehr allzu viel Zeit dazu hat. 2 Tage vor seinem Tod konnte man ihm ansehen, dass er sich mit seinem eigenen Ableben auseinandersetzt, er hat denke ich gemerkt, dass es diesmal wohl nichts mehr wird. Aber auch das habe ich nicht richtig interpretiert. Gesehen habe ich es. Zum Schluss ging dann alles rasant schnell. Bosti drohte zu ersticken- man konnte uns keine Therapie mehr anbieten - und von unserem Notfalltermin in der Klinik bis zu seinem Tod war es gefühlt nur einen Moment. Das kam für uns so schnell - so überraschend. Bostis Körper hatte alle Reserven verbrannt. Wir haben schlussendlich Bosti vorm Erstickungstod mittels Euthanasie bewahrt. Das habe ich mit ihm vorher schon einmal besprochen und unser Wort gegeben dass wir das nicht zulassen werden. Ich hatte aber gehofft dass es nie dazu kommen sollte. Ebenso hatten wir ihm versprochen dass er zu Hause sterben wird, egal wie. In beidem haben wir unser Wort gehalten.

Es ist unglaublich schwer, eine so geliebte Seele gehen zu lassen. Früher dachte ich , dass der Satz mir ist mein Herz gebrochen, nur sinnbildlich zu verstehen ist. Aber ich habe tatsächlich körperlich gespürt wie Bostis Seele nach 20h seinen Körper verlassen hat. Mein Herz ist wirklich gebrochen und ich habe keine Luft mehr bekommen. Und dennoch habe ich den Moment noch irgendwie wie in Watte empfunden, also es war noch nicht alles an Schmerz für mich abrufbar und vermutlich auch gut so.

Wir hatten Bosti 48h bei uns, es brannte immer eine Kerze und er lag wie in einem tiefen Schlaf in seinem Korb. Unsere Hündin hat sich tatsächlich erst von ihm verabschiedet, als seine Seele weg war. Vorher konnte sie ihn noch spüren, wie wir auch- er war nur irgendwie am Schlafen.

Trauer ist etwas sehr kreatürliches, ich vermisse ihn und seine Berührung, sein fest an einen schmiegen. In den Wochen nach seinem Tod und auch heute noch konnte ich ihn förmlich um die Ecke kommen sehen und man wollte in geradzu anfassen. Manchmal höre ich ihn atmen. In dem Moment wird einem dann bewusst, dass man für einen kurzen Augenblick vergessen hatte, dass er ja nicht mehr da ist. Das fühlt sich an wie eine Wunde über die etwas Schorf gewachsen ist und dieser kleine Schutz wird dann nochmals gewaltsam abgerissen. Es wird mit der Zeit besser, die Abstände zwischen den ganz schlimmen Momente werden länger.

Ich glaube ohne meinen lieben Mann und unsere Schnitzi hätte ich auch einfach sterben wollen.

Mir ist bewusst geworden, dass viele Menschen diesen Schmerz nicht verstehen, nicht bei einem Tier. Irgendwie war mir das klar, aber es in der Zeit dieses Verlustes so zu erleben hat dann nochmals mehr geschmerzt. Ich habe mich gefragt, warum das Menschen nicht so empfinden können.

Ich glaube es braucht Mut, sich auf ein Lebewesen voll und ganz einzulassen, egal ob Mensch oder Tier. Dieser Mut belohnt Dich in der gemeinsamen Zeit mit sehr tiefen echten und wirklich tollen Emotionen und Momenten. Aber genau diese Höhe ist dann auch die Tiefe der Trauer und des Schmerzes, die ein solcher Verlust dann erzeugt. Ich denke, dass nur die Menschen den Mut aufbringen sich da hinein zu geben die wissen dass sie die Stärke haben, diese Traurigkeit zu tragen. Vielleicht ist diese Stärke nicht jedem Menschen in diesem Leben gegeben? Und ich denke wir Menschen wissen was wir uns zutrauen können und was nicht. Und das ist vielleicht auch gut so. Ich glaube nicht dass das Leben uns nur das gibt was wir tragen können, nein: ich denke nur wir suchen uns das aus, was wir aushalten können. Das sind wir.

Seit Bostis Tod brennt immer eine Kerze an seinem Grab in unserem Garten. Ich sitze sehr gern abends noch bei ihm. Schnitzi kaut dann an seinem Grab ihren Knochen. Für mich fühlt es sich gut an einem Ort in der Nähe zu wissen.

Den Platz für sein Grab hat er mir noch gezeigt. Es ist ein echt ungewöhnlicher Platz für uns gewesen und wirklich nicht praktisch, aber im Nachhinein hat auch dort Bosti mal wieder sich als großer Lehrer gezeigt. Wir haben ihn an die Stelle gelegt, an die er wollte und glaubt mir: im Regen sitzt man dort immer trocken, dort ist am längsten die Sonne und man hat einen wirklich guten Überblick über das Grundstück, das war ihm schon immer wichtig ;-). Auch an diesem Punkt sind wir ihm gefolgt und haben uns auf ihn und seinen Wunsch eingelassen.

Ich liebe meinen Bosti sehr und ich denke das wird auch niemals aufhören.

Ich habe ihm viele bunten Schleifen umgebunden bevor wir in in die Erde gelegt haben, jede Schleife war ein Danke! ……und davon gab es wirklich viele. Ohne ihn würde es vermutlich die Tierkommunikation nicht für mich geben.

Ich habe meinem Bosti versprochen, dass ich mich bemühen werde zu akzeptieren, dass er nicht mehr da ist - dem neuen Lebensabschnitt nun ohne ihn versuche positiv gegenüber zu stehen. Auch da will ich nun mein Wort halten - auch wenn das noch schwer fällt.

Auch wenn gerade diese Phase des Verlustet so schwer zu tragen ist, wünsch ich doch vielen Menschen den Mut sich auf so etwas Schönes und Verbindendes einzulassen - einen echte Seelenbegegnung: jedem Menschen wünsche ich einen Bosti von ganzem Herzen.

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